Kehr.Wieder Hamburg – Coffee-to-go goes Mehrweg

KEHR.WIEDER HAMBURG – COFFEE-TO-GO GOES MEHRWEG

KEHR.WIEDER HAMBURG – COFFEE-TO-GO GOES MEHRWEG

Heute morgen bin auf den Weg zur Arbeit durch eine Plakatierung in der S-Bahn auf die KEHR.WIEDER-Kampagne der Stadt Hamburg aufmerksam geworden. Bei dieser Kampagne geht es darum, die zunehmende Flut, die durch die Nutzung eines Coffee-to-go-Einwegbecher, täglich in Hamburg anfällt, zu reduzieren und stattdessen auf Mehrwegbehältnisse umzusteigen.

Aus guten Grund, wie ich jetzt weiß.

Denn es ist kaum zu glauben, aber alleine in meiner Heimatstadt Hamburg landen jährlich 60 Millionen Einwegbecher in öffentlichen Müllbehältnissen.

Diese haben laut Papierkorbanalyse der Hamburger Stadtreinigung einen Anteil von 13 Prozent an der Gesamtmasse. Insgesamt stellen To-go-Verpackungen mit 36 Prozent sogar den größten Anteil der Abfallmasse.

Wenn man also eine ganz simple Rechnung aufmacht, kommen bei insgesamt 1,86 Millionen Einwohnern (Stand 2017) auf jeden Hamburger – unabhängig vom Alter – mehr als 32 Einwegbecher pro Jahr.

Zahlen und Fakten

  • Pro Jahr werden in Deutschland 2,8 Milliarden Einwegbecher weggeworfen. Nebeneinander aufgestellt ergäbe das eine Fläche von mehr als 5.000 Fußballfeldern.
  • Alleine in Deutschland werde – statistisch betrachtet – pro Stunde 320.000 Einweg-Kaffeebecher verbraucht.
  • Zirka 70 Prozent der Kaffeetrinker nutzen besonders häufig oder gelegentlich Einweg-Kaffeeebecher.
  • Die Herstellung der Kunststoffbeschichtung und -deckel verbraucht jährlich circa 22.000 Tonnen Rohöl.
  • Der jährliche Stromverbrauch für die Produktion entspricht dem einer Stadt wie Schwerin.
  • Die Herstellung der 2,8 Milliarden Kaffeebecher verursacht rund 83.000 Tonnen CO2-Emissionen.
  • Durch die Herstellung der Kunsttoffdeckel entstehen rund 28.000 Tonnen CO2-Emissionen.
  • Für die Herstellung wird in aller Regel Neumaterial eingesetzt. Das Papier ist meistens nicht recycelt, sondern stammt aus Frischholz von 43.000 Bäumen.
  • Das benötige Wasser von circa 1,5 Milliarden Liter entspricht dem Jahresverbrauch einer mittleren Kleinstadt.
  • Laut der Düsseldorfer Verbraucherzentrale sind bis zu 17 Prozent des auf den Straßen und Grünflächen herumliegenden Mülls Einwegbecher.

Auch wenn die Zahlen der Deutschen Umwelthilfe hin und wieder kritisch betrachtet werden, veranschaulichen sie dennoch das grundlegende Problem der Einwegbecher recht deutlich:

Für ein Produkt mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von gerade mal 15 Minuten, müssen in der Herstellung sowohl eine Menge Energie als auch viele Ressourcen eingesetzt werden. Zudem verursacht die Produktion ein erhebliches Maß an Emissionen.

Infografik Coffee to go-Einwegbecher: Zahlen und Fakten zur Herstellung und Nutzung von Coffee to go-Einwegbechern in Deutschland
Infografik: Coffee to go – Zahlen und Fakten zur Herstellung und Nutzung von Coffee to go-Einwegbechern in Deutschland Diese Infografik darf unter Einhaltung der CC BY-SA 4.0-Lizenz frei verwendet werden. Infografik herunterladen

Einwegbecher sind nicht umweltfreundlich

Auch wenn Kaffeebecher überwiegend aus Pappe gefertigt werden, sind sie nur auf den ersten Blick umweltfreundlich.

Was viele – mich eingeschlossen – vielleicht nicht wissen: Die Becher lassen sich nicht recyclen.

Der Grund dafür liegt zum einen in der Verklebung, denn diese muss besonders hitzestabil. Zum anderen sind die Kaffeebecher auf der Innenseite hauchdünn mit Kunststoff beschichtet.

Diese Komponenten können jedoch bei den gängigen Recyclingverfahren nicht getrennt werden.

Und selbst wenn die Becher recylebar wären, verhindert ein weiterer Grund die umweltgerechte Entsorgung:

Da die Einwegbecher üblicherweise unterwegs gekauft, genutzt und auch entsorgt werden, landen sie anschließend, wenn nicht auf Plätzen und Grünflächen, in einem öffentlichen Mülleimer.

Dieser Müll wird jedoch grundsätzlich nicht getrennt, weil sich die Nachsortierung aus ökonomischen Gründen nicht lohnt.

In der Regel landen Coffe-to-go-Becher also auf direktem Wege in der Müllverbrennung.

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Quelle & Rechte: Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) – veröffentlicht 02.10.2017 veröffentlicht

Ist Mehrweg wirklich besser?

Nachdem wir jetzt alle Nachteile des Einwegbechers kennen, stellt sich die Frage, ob Mehrweg tatsächlich besser ist.

  • Fakt ist, dass es bisher keine wissenschaftliche Studie zur Ökobilanz von Einweg gegenüber Mehrweg gibt.
  • Fakt ist auch, dass für die Produktion von Mehrwegbechern mehr Energie benötigt wird und ebenfalls Klimagase freigesetzt werden.
  • Und genauso wie bei Einwegbechern belastet auch der Transport von Mehrwegbechern die Umwelt.

Folgt man der Verbraucherzentrale Hessen, sprechen jedoch einige Punkte eindeutig für den Mehrwegbecher:

  • Durch seine lange Lebensdauer ersetzt ein Mehrwegbecher durchschnittlich sechzig Einwegbecher pro Jahr und spart so langfristig Ressourcen und Energie.
  • Auch der praktische Nutzen eines Mehrwegbechers liegt über dem eines Einwegbechers: er hält den Inhalt länger warm und verhindert das Auslaufen besser.
  • Außerdem helfen Mehrwegbecher das Littering einzudämmen, also das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfälle im öffentlichen Raum wie beispielsweise auf Straßen und Plätzen, in Parks, Grünflächen und in der offenen Landschaft.

Gerne wird der Umstand angeführt, dass das Spülen der Mehrwegbecher die Umwelt belasten. Nach meiner Auffassung ist dieses jedoch fadenscheinig.

Wir reinigen unsere Kaffeebecher grundsätzlich in der Spülmaschine. Und unsere Spülmaschine läuft so oder so. Aber auch nur dann, wenn sie auch wirklich voll ist.

Sind Mehrwegbecher hygenisch?

Eines vorweg: Grundsätzlich ist es allen Coffee to go-Anbietern es erlaubt, die mitgebrachten Mehrwegbecher nachzufüllen.

Es gibt aber einige Hygiene-Empfehlungen der Deutschen Umwelthilfe, die in Zusammenarbeit mit den deutschen Gesundheitsämtern entstanden sind, an die sich Coffee to go-Anbieter halten sollten:

  • Mitgebrachte Mehrwegbecher sind visuell auf Sauberkeit und Fremdkörper zu prüfen.
  • Der Deckel muss vom Kunden abgenommen und aufbewahrt werden.
  • Nur leere Mehrwegbecher befüllen.
  • Verschmutze Mehrwegbechern durch Ausspülen mit heißem Wasser reinigen.
  • Der Abfüllstutzen der Kaffeemaschine darf den Mehrwegbecher nicht berührt.
  • Keine Berührung anderer Kannen und Utensilien mit dem Mehrwegbecher.
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Abstellfläche für Mehrwegbecher.
  • Die Abstellfläche sollte außerhalb des Hygienebereichs des Geschäftes liegen, beispielsweise der Thekenaufsatz des Verkaufstresens oder im Selbstbedienungsbereich.
  • Nutzung eines eigenen Umfüllgefäßes, das nach der Nutzung gereinigt wird.
  • Beim Befüllen mitgebrachter Mehrwegbecher Handschuhe tragen oder nach Befüllung die Hände waschen.

Halten sich die Coffee to go-Anbieter an diese Empfehlungen, dann ist auch das Befüllen von mitgebrachten Mehrweggefäßen eine durchaus hygenische Angelegenheit.

Empfehlenswerte Coffee-to-go Mehrwegbecher

Wer auf Mehrwegbecher umsteigen möchte, hat die Qual der Wahl.

Entscheidend für die richtige Wahl eines Mehrwegbechers ist in erster Linie seine Isololierleistung. Also, dass der Kaffee möglichst lange heiß bleibt.

Zudem sollten die Becher dicht schließen, einen leicht zu bedienenden Trinkverschluß haben und spülmaschinengeeignet sein.

Ich habe Euch hier ein paar Mehrwegbecher zusammengestellt, die diese Kriterien erfüllen.

Die emsa Travel Mug und der Contigo West Loop Thermobecher waren bei einem Test von saldo.ch, eine Art Schweizer Stiftung Warentest, Testsieger.

Auch der Thermobecher von Starbucks für circa 20 Euro zählte zu den Testsiegern.

Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um die unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP). Auf Plattformen wie Amazon sind diese Becher aber häufig zu teils deutlich niedrigeren Preisen zu finden.

Kehr.Wieder: Mehrweg statt Einweg

Insbesondere dem Müllproblem möchte die Stadt Hamburg nun mit der KEHR.WIEDER-Kampagne entgegenwirken.

Die Hamburger KEHR.WIEDER-Kampagne setzt dabei auf ein Rabattsystem, um uns davon zu überzeugen, anstatt Einwegbecher unsere eigenen Mehrwegbecher zu nutzen.

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Die Hamburger Umweltbehörde, Initiator der KEHR.WIEDER-Kampagne, geht dabei mit guten Beispiel voran. Seit Ende 2016 sind im Bistro der Behörde nur noch Coffee-to-go-Mehrwegbecher im Einsatz.

Allein dies hilft, pro Jahr rund 15.000 Pappbecher einzusparen.

kehr.wieder hamburg logo coffee-to-go einwegbecher - urheberrechte stadt hamburg

Mittlerweile nehmen bereits mehr als 250 Cafés, Bäckereien und Bistros an der Kampagne teil, unter anderem Backwerk, Campus-Suite, Daily Company, Dat Backhus, Le Crobag, McDonald‘s, Speicherstadt Kaffeerösterei, Starbucks, Studierendenwerk, Tchibo und Bäckerei Vollstädt. Zu erkennen sind die teilnehmenden Betriebe an dem kampagnen-eigenen Logo.

Um die Verwendung von Einwegbechern weiter zu reduzieren, plant die Stadt Hamburg aktuell die Kampagne durch ein pfandgestütztes Mehrwegsystem für Coffee-to-go und andere Heißgetränke weiter zu unterstützen.

KEHR.WIEDER für Gastronomen

Für Gastronomen ist es recht einfach, Partner der KEHR.WIEDER-Kampagne zu werden.

Zunächst musst Du Dir das Kampagnen-Commitment durchlesen und bereit sein, die unter „Die Unternehmen“ genannten Punkte umzusetzen:

  • Du gewährst bei Auffüllen eines mitgebrachten Mehrwegbechers einen Rabatt von mindestens 10 Cent.
  • Du akzeptierst alle geeigneten Mehrwegbecher.
  • Du schulst Deine MitarbeiterInnen, Deine Kundinnen und Kunden deutlich auf dieses Angebot hinzuweisen.
  • Du informierst Deine MitarbeiterInnen über die geltenden hygienischen Regelungen.
  • Du bewirbst die KEHR.WIEDER-Kampagne auf Deinen Medienseiten wie Facebook, Twitter, Instagramm etc.
  • Du erfasst in absoluten Zahlen den Anteil der in rabattierten Mehrwegbecher ausgeschenkten Getränke.

Im Gegenzug stellt Dir die Stadt Hamburg Aufsteller, Infoplakate, Aufkleber für die Tür- oder Treseninnenseite sowie Aufkleber mit Key Visual als Störer für Deine Werbeprodukte zur Verfügung. Zudem wird Dein Unternehmen in die interaktive Karte der Kamapgne auf hambug.de eingetragen.

Die Anmeldung selbst kannst Du schnell und einfach über das Anmeldeformular ebenfalls auf hamburg.de vornehmen.

Sind Coffe-to-go-Becher wirklich das Problem?

Um es mit einem Songtitel der Hamburger Hip-Hop-Band Fettes Brot zu sagen: Jein.

Aus den zu vorgenannten Gründen sind Einwegbecher natürlich ein Problem.

Ich halte es aber auch für das Symptom eines sehr viel größeren Problems. Eigentlich sogar für mindestens zwei große Probleme.

Zum einen liegt eines der Grundprobleme in der heutigen „Weg-werf“-Mentalität. Auch wenn mittlerweile ein Umdenken begonnen hat, sind wir immer noch zu sehr an schnelles Konsumieren, einen verschwenderischen Umgang mit natürlichen Ressourcen und einen gewissen Grad von Umweltverschmutzung gewöhnt.

Zum anderen liegt das Problem darin, dass wir heutzutage generell unglaubliche Mengen Verpackungsmüll produzieren. Laut Umweltbundesamt stieg die Verpackungsabfallmenge auf 18,2 Millionen Tonnen. Davon sind Einwegbecher dann tatsächlich nur ein kleiner Teil.

Also weitermachen wie bisher? Nein.

Denn auch wenn die Coffee-to-go-Becher nur ein kleinen Teil des Gesamtproblems darstellen, bin ich der Überzeugung, dass wir als Konsumenten durch ein eine einfache Veränderung in unserem Verhalten, recht schnell und einfach etwas bewirken können.

Das haben übrigens auch die großen Unternehmen erkannt.

Unter anderem gewähren Coffee-to-go-Anbieter wie Aral, Starbucks, Balzac Coffee, Campus Suite und McCafé einen Preisnachlass, wenn ein Mehrwegbecher befüllt wird.

Mein persönliches Fazit

Ich bin bekennender Kaffee-Junkie, zum Glück aber hat sich mein Konsum von To go-Kaffee schon immer in sehr engen Grenzen gehalten.

Dies war aber eigentlich nur dem Umstand geschuldet, dass der Kaffee meistens nicht schmeckte und mir schlicht zu teuer ist.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich mir einfach auch keinerlei Gedanken darüber gemacht habe und so bis zum Entdecken der KEHR.WIEDER-Kampagne und den daraus resultierenden Recherchen zu diesem Artikel, keine Vorstellung von dem Ausmaß und der Problematik hatte, die aus Einwegbechern entsteht.

Wie schon gesagt, es kommt eher selten vor, dass ich mir einen Kaffee zum Mitnehmen kaufe.

Denn glücklicherweise habe ich an den beiden Orten, an denen ich mich die meiste Zeit des Tages aufhalte, nämlich auf der Arbeit und Zuhause, uneingeschränkten Zugriff auf Kaffee, sodass ich mir beispielsweise morgens auf meinem Weg ins Büro gar keinen Kaffee kaufe.

Dennoch gibt es zwei, drei Situationen, in denen ich mir regelmäßig Kaffee im Einwegbecher besorge: nämlich während der Wartezeiten beim Ballett- und Reitunterricht meiner Tochter und bei längeren Autofahrten.

Seit heute gehört dies jedoch der Vergangenheit an.

Da diese Situationen für mich absehbar und planbar sind, werde ich mir in Zukunft den Mehrwegbecher, der ohnehin in unserem Küchenschrank steht, einfach mitnehmen.


Weiterführende LinksDeutschen Umwelthilfe: Coffee to go-Einwegbecher – Umweltauswirkungen und Alternativen: Hintergrundpapierntv – Müllmassen durch Coffee to go: So stoppt man die Becher-EpidemieFAZ – VerschlimmbechertZEIT online – Kaffeebecher: Greenwashing to go?WELT – Coffee-to-go: Die große Heuchelei um den Mehrweg-KaffeebecherNDR.de – Coffee-to-go-Becher: Müll im SekundentaktBR.de – Was ist umweltfreundlicher? Plastik-, Papier- oder KeramikbecherHamburger Abendblatt – Coffee to go: So klappt’s mit dem MehrwegbecherStiftung Warentest – Wo bleibt der Coffee to go am längsten heiß?Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen – Coffee to go: Einweg-Becher vermeiden

Bildquellen – Titelbild: Max Pixel (Coffee Coffee Mugs Coffee To Go Paper Cup) – Produktbilder: Amazon PartnerNet – KEHR.WIEDER-Logo: Stadt Hamburg

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